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Musca Borealis: die Nördliche Fliege, die erst Biene, Wespe und Lilie war

Über dem Rücken des Widders (Aries) stehen vier schwache Sterne, die in zwei Jahrhunderten nacheinander eine Biene, eine Wespe, eine Lilie und eine Fliege waren. Nur die Fliege, Musca Borealis, wurde ein beständiger Name. Auch sie ist verschwunden, lebt aber in einem Sternnamen fort.

Die Nördliche Fliege (Musca Borealis) über dem Widder, Ausschnitt aus Karte 16 von Urania's Mirror (1825)

Die Nördliche Fliege über dem Widder, auf Karte 16 von Urania's Mirror (Sidney Hall, London, 1825). Der Widder ist hier das Sternbild darunter.

Tafel: Sidney Hall, Urania's Mirror (1825), Karte 16, Library of Congress (cph.3g10064), gemeinfrei; Ausschnitt von uns. Datei auf Wikimedia Commons. Digital restauriert von: Adam Cuerden.

Vier Sterne, vier Namen

Petrus Plancius schuf das Sternbild 1612 auf einem Himmelsglobus unter dem Namen Apes, die Biene. Er bildete es aus vier 'ungeformten' Sternen vierter und fünfter Größe, die Ptolemäus im Almagest als 'über dem Steiß' des Widders beschreibt. Jacob Bartsch änderte den Namen 1624 auf seiner Karte in Vespa, die Wespe, ließ im Text aber Apes stehen.

Dieselben vier Sterne bildeten beim Franzosen Ignace-Gaston Pardies die Lilie Frankreichs, in einem Atlas von 1674 (ein Jahr nach seinem Tod). Der Name Lilium erscheint erst fünf Jahre später in Augustin Royers Cartes du Ciel (1679), der die Lilie auf sieben Sterne vergrößerte.

Hevelius machte 1687 in seinem Firmamentum Sobiescianum eine Fliege daraus, Musca. In seinem Katalog blieb es bei vier Sternen unter dem Widder. Der Name Musca Borealis, Nördliche Fliege, erscheint erstmals in Alexander Jamiesons Celestial Atlas von 1822.

Wo lag die Fliege?

Im nördlichen Teil des Widders. Die vier Sterne heißen heute 33, 35, 39 und 41 Arietis. Bode zeichnete die Fliege 1801 innerhalb der Grenzen des Widders; auf der Tafel aus Urania's Mirror (1825) sitzt sie in einem eigenen Feld über dem Widder.

Warum verschwand sie?

Am Südhimmel gab es schon eine Musca, die fast ein Jahrhundert früher aus den Beobachtungen von Keyser und de Houtman entstanden war. Deshalb musste der Name um 'Borealis' ergänzt werden, was verwirrend war. Schließlich gaben die Astronomen die nördliche Fliege auf; die südliche Musca blieb.

Was bleibt

Der Stern 39 Arietis heißt Lilii Borea: Der Name stammt von Lacaille (in seinem Katalog von 1757) und wurde 2017 von der IAU offiziell anerkannt. 41 Arietis, bei Lacaille Lilii Austrina, heißt Bharani, nach dem zweiten Mondhaus (Nakshatra) der indischen Astronomie, das aus den Sternen 35, 39 und 41 Arietis bestand.

Verwandt

Quellen

  • Ian Ridpath, Star Tales, Kapitel 4 ('Obsolete constellations'), mit einer Seite je Sternbild; dort finden sich auch die Verweise auf die ursprünglichen Atlanten. ianridpath.com/startales/muscaborealis.html
  • IAU Working Group on Star Names, über die Übersichtsliste auf exopla.net (Stand 22. September 2026), für die Sternnamen. exopla.net