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Cellarius’ Hoorn

Willem Bontekoe aus Hoorn: das Schiff, das in die Luft flog, und das Boot ohne Kompass

Am 19. November 1619 flog das Hoorner Schiff Nieuw Hoorn der Ostindienkompanie (im Journal: „Nieu-Hoorn“) in die Luft. Es war ein Unglück, kein Anschlag: Nach dem Journal begann es mit einem Brand im Branntwein, als ein Bottelier-Maat bei Kerzenlicht ein Fass füllte, und das Feuer erreichte das Pulver. Der Kapitän schrieb später auf, wie er mit 71 anderen ohne Kompass, Karte oder Gradbogen nach Sumatra segelte. Diese Seite folgt nur dem, was in seinem Journal steht, mit den Fußnoten des Herausgebers Hoogewerff (1915), und sagt dazu, was wir nicht wissen.

Was die Quellen sagen

  • Willem IJsbrantsz. Bontekoe wurde 1587 in Hoorn geboren. Sein Familienname gehört zu den Namen, die nach dem Aushängeschild oder Giebelstein des Familienhauses vergeben wurden. Seine Brüder Pieter und Jacob IJsbrantsz. Bontekoe fuhren ebenfalls als Schiffer für die VOC; 1623 waren alle drei in Indien. [1]
  • Am 28. Dezember 1618 fuhr er als Schiffer mit der Nieuw Hoorn von Texel aus, „ghemant met 206 eters, groot ontrent 550 lasten“ (bemannt mit 206 „Essern“, etwa 550 Last groß), bei Ostwind. „Eters“ (Esser) sind alle Menschen an Bord, die verpflegt werden mussten: 206 Mitfahrende. Das Titelblatt des Drucks sagt „Begonnen den 18. December 1618“ und „vol-eynt den 16. November 1625“, der Text selbst „den 28. December“. Die folgenden Einträge („Den 29. dito sijn wy de Hoofden gepasseert“, am 29. passierten wir die „Hoofden“, „Heads“ in Hoogewerffs Anmerkung) passen zum 28. Dezember, und auch Hoogewerff nennt dieses Datum; warum das Titelblatt den 18. Dezember nennt, sagt keine Quelle, die wir lasen. [1]
  • Das Schiff lief nach Süden bis 33 Grad und wandte sich dann zur Sundastraße. Am 19. November 1619, auf 5½ Grad Süd („die Höhe der vorgenannten Sundastraße“), geriet beim Pumpen des Branntweins der Branntwein in Brand: der Bottelier-Maat, Keelemeyn aus Hoorn, steckte eine Kerze auf einem Spitzleuchter in ein Fass, und ein „Dieb“ an der Kerze (ein schief brennender Docht, sagt Hoogewerff) fiel herab, genau ins Spundloch des Fasses, aus dem er pumpte. [1]
  • Das Feuer erreichte das Pulver. Etwa 60 halbe Fässer Pulver gingen über Bord, aber etwa 300 blieben im Schiff. „Het schip sprongh aen hondert duysent stucken; 119 persoonen waren wy noch in 't schip doe het sprongh“ (das Schiff sprang in hunderttausend Stücke; wir waren noch 119 Personen im Schiff, als es sprang). [1]
  • Bontekoe überlebte die Explosion auf einem treibenden Mast, zusammen mit dem jungen Hermen van Kniphuysen aus dem Eiderland. Später zählte er 46 Menschen im Boot und 26 in der Schute: 72 Personen. [1]

Ohne Kompass, Karte oder Gradbogen

  • Im Boot und in der Schute gab es „noch compas, noch kaert, noch boogh“ (weder Kompass noch Karte noch Bogen); man sagte, der Obersteuermann, Jan Piet van Hoorn, habe die Kompasse aus dem Nachthaus genommen. [1]
  • Am 21., 22. und 23. November bauten sie einen Gradbogen: einen Quadranten auf dem Vorderdeck („plecht“) und einen Stock mit einem Kreuz. Der Zimmermann Teunis Sybrantsz aus Hoorn hatte einen Zirkel; nach Hoogewerff war die Gradteilung auf dem Stock angebracht, und das Kreuz ist ein verstellbares Querholz. [1]
  • Bontekoe schnitt außerdem eine Seekarte in die Rückseite einer Planke, mit Sumatra, Java und der Sundastraße, und eine Kompassrose. Am Tag des Unglücks hatte er mittags noch die Sonnenhöhe genommen: 5½ Grad Süd, und das gegisste Besteck lag etwa 90 Meilen vom Land. Mit dem Zirkel trug er täglich den geschätzten Weg ab und legte den Kurs 70 Meilen auf eine Seite von „'t gat“ (der Meerenge), um zu wissen, in welche Richtung sie sich wenden mussten. [1]

Zwei hohe blaue Berge

  • Als die Wolken vom Land wegzogen, sah er „twee hooge blauwe berghen“ (zwei hohe blaue Berge). Er erinnerte sich, in Hoorn von Willem Cornelisz. Schouten gehört zu haben (der zwei- oder dreimal in Ostindien gewesen war), dass an der Ecke von Java zwei hohe blaue Berge lagen. [1]
  • Schouten, „Stadtgenosse und Freund Bontekoes“ (Hoogewerff), starb im Frühjahr 1625 in der Antongil-Bucht auf Madagaskar; das Journal endet mit seinem Tod, mit einem Vers darauf. So steht der Mann von Kap Hoorn im Schluss dieses Buches. [1]

Die Nadel zeigt nicht nach Norden

  • Auf der Heimreise, am 15. März 1625, peilte Bontekoe die Sonne beim Aufgang und fand „22 graden, afgaende Noord-westeringh van 't compas“ (22 Grad, abnehmende Nordwestung des Kompasses). Hoogewerff fügt hinzu: „Afnemende noordwestering. Deze mededeeling slaat op de miswijzing van het kompas“ (abnehmende Nordwestung; diese Angabe bezieht sich auf die Missweisung des Kompasses). [1]
  • Bontekoe nennt auch eine Faustregel für das Kap der Guten Hoffnung: „als ghy met de peylinghe van 't compas bevindt, dat het compas recht Suyen en Noorden houdt“ (wenn ihr bei der Peilung findet, dass der Kompass genau Süd und Nord hält), haltet nach Land Ausschau. Hoogewerff: „Dus zonder miswijzing hoegenaamd“ (also ganz ohne Missweisung). [1]
  • So nutzte ein Hoorner Schiffer die Missweisung als Hilfsmittel. Der goldene Kompass von Hoorn, für den Reynier Pietersz. van Twisch 1597 ein Patent erhielt, sollte diese Missweisung aus der Sonne ablesen. [1]

Wie das Buch entstand

  • Das Journal erschien 1646 in Hoorn, gedruckt bei Isaac Willemsz. für den Hoorner Verleger Jan Jansz. Deutel; die Widmung ist auf den 16. Juli 1646 datiert. Nach Hoogewerff folgten innerhalb eines Jahres drei Nachdrucke neben der doppelten Auflage der ersten Ausgabe, und 1648 beklagt sich Deutel über Raubdrucke in Utrecht und Rotterdam. [1]
  • Aus der Widmung schließt Hoogewerff, dass Bontekoe beim Erscheinen noch lebte und in Hoorn wohnte, vermutlich im Ruhestand. Das Jahr seines Todes „liegt im Dunkeln“. [1]

Was wir nicht wissen

  • Wann Bontekoe starb: Hoogewerff nennt das Jahr dunkel; andere Jahreszahlen, die wir sahen, haben wir nicht überprüft.
  • Ob er nach dieser Reise noch einmal nach Indien fuhr: Hoogewerff weiß nichts davon.
  • Wie nah der gedruckte Text von 1646 an seinem Schiffsjournal steht: Die Ausgabe ist die von Hoogewerff nach dem Druck, und eine Bearbeitung durch den Verleger ist nicht ausgeschlossen.
  • Wo die Tonnage (550 Last im Journal) und das Ankunftsdatum in Seeland in anderen Quellen anders angegeben werden: Diese Quellen haben wir nicht selbst gelesen.
  • Was in Hoorn an ihn erinnert (Standbild, Giebelstein): Das haben wir noch nicht in einer Quelle nachgelesen und lassen es weg.
  • Warum das Titelblatt von 1646 „Begonnen den 18. December 1618“ sagt und der Text „den 28. December“: Das wissen wir nicht; wir fanden keine Erklärung.

Quellen

  1. Journael ofte gedenckwaerdige beschrijvinghe van de Oost-Indische Reyse van Willem Ysbrantsz. Bontekoe (Hoorn 1646), herausgegeben von G.J. Hoogewerff, mit Einleitung und Fußnoten (1915), Project Gutenberg Nr. 53857 Wir lasen den ganzen Text mit Einleitung und Fußnoten; jede Aussage dieser Seite stammt daraus.

Bei jeder Aussage steht die Nummer ihrer Quelle. Gelesen am 26. Oktober 2026. Was wir in keiner Quelle bestätigen konnten, lassen wir weg.

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