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Quadrans Muralis: das verschwundene Sternbild der Quadrantiden

Im Norden des Bärenhüters, nahe dem Ende der Deichsel des Großen Wagens, hing einst ein Mauerquadrant: ein Messinstrument. Das Sternbild verschwand, doch der Meteorstrom, der jedes Jahr im Januar aus dieser Gegend zu kommen scheint, trägt seinen Namen noch immer: die Quadrantiden.

Der Mauerquadrant (Quadrans Muralis) über dem erhobenen Arm des Bärenhüters, Ausschnitt aus Karte 10 von Urania's Mirror (1825)

Der Mauerquadrant oben links, über dem erhobenen Arm des Bärenhüters, auf Karte 10 von Urania's Mirror (Sidney Hall, London, 1825). Unten auf der Karte steht der Name Quadrans Muralis.

Tafel: Sidney Hall, Urania's Mirror (1825), Karte 10, Library of Congress (cph.3g10076), gemeinfrei; Ausschnitt von uns. Datei auf Wikimedia Commons. Digital restauriert von: Adam Cuerden.

Ein Instrument am Himmel

Joseph Jérôme de Lalande (1732–1807), Direktor der Sternwarte der École Militaire in Paris, erdachte das Sternbild 1795. Es erinnerte an den an der Wand befestigten Quadranten, mit dem er und sein Neffe Michel Lefrançois de Lalande Sternpositionen maßen („muralis“ heißt lateinisch „zur Wand gehörig“).

Vierzig Jahre zuvor hatte Lacaille den Südhimmel mit Sternbildern für wissenschaftliche Instrumente gefüllt. Lalande folgte dem Beispiel und setzte einen Quadranten an den Nordhimmel.

Von Le Mural zu Quadrans Muralis

Das Sternbild erschien 1795 unter dem französischen Namen Le Mural auf Tafel 2 des überarbeiteten Atlas Céleste von Jean-Baptiste Fortin, herausgegeben von Lalande und Pierre Méchain. 1796 nannte Lalande in der Connaissance des Temps zehn Sterne der fünften bis siebten Größe als Mitglieder.

Johann Bode gab ihm 1801 in seiner Uranographia den lateinischen Namen Quadrans Muralis. Er machte es etwas kleiner als Lalandes Original, um Überschneidungen mit älteren Nachbarn zu vermeiden.

Wo lag der Mauerquadrant?

Er lag im heutigen Nordteil des Bärenhüters, knapp über dem erhobenen Arm des Bärenhüters, mit dem Körper des Drachen weiter im Norden. Auch die Karte zeigt das: Der Quadrant hängt oben links, neben dem Namen Draco.

Die Quadrantiden

Die Quadrantiden sind ein Meteorstrom mit Maximum jedes Jahr um den Jahreswechsel. Nach unserem Himmelskalender liegt der Punkt, aus dem die Meteore zu kommen scheinen (der Radiant), bei Rektaszension 230° und Deklination +49,5°, im Gebiet dieses verschwundenen Sternbilds. Im Maximum sind typischerweise etwa 120 Meteore pro Stunde (ZHR) zu sehen.

Als der Strom in den 1830er-Jahren erkannt und benannt wurde, war Quadrans Muralis noch bekannt genug, um ihn danach zu nennen. Das Sternbild selbst war Ende des 19. Jahrhunderts verschwunden: Die IAU nahm es 1922 nicht in ihre Liste der 88 Sternbilder auf.

Was bleibt

2025 gab die IAU dem Stern 44 Boötis den Namen Quadrans. Er war der hellste Stern von Lalandes Sternbild (veränderlich zwischen 4,7 und 4,9 mag). In Bodes kleinerer Fassung war CL Draconis im Nordteil der hellste Stern, mit 5,0 mag.

Verwandt

Quellen

  • Ian Ridpath, Star Tales, Kapitel 4 ('Obsolete constellations'), mit einer Seite je Sternbild; dort finden sich auch die Verweise auf die ursprünglichen Atlanten. ianridpath.com/startales/quadrans.html
  • IAU Working Group on Star Names, über die Übersichtsliste auf exopla.net (Stand 22. September 2026), für die Sternnamen. exopla.net