Custos Messium und Rangifer: der Erntewächter und das Rentier
Im hohen Norden, zwischen Cepheus und Giraffe, standen nebeneinander ein Erntewächter mit Stab und ein Rentier. Beide verschwanden aus der offiziellen Liste, doch seit 2025 tragen Sterne ihre Namen.

Der Erntewächter mit Stab und Sichel und das Rentier mit Geweih, auf Karte 2 von Urania's Mirror (Sidney Hall, London, 1825). Auf dieser Karte heißt das Rentier Tarandus.
Tafel: Sidney Hall, Urania's Mirror (1825), Karte 2, Library of Congress (cph.3g10051), gemeinfrei; Ausschnitt von uns. Datei auf Wikimedia Commons. Digital restauriert von: Adam Cuerden.
Custos Messium: ein Wink an Messier
Joseph Jérôme de Lalande setzte den Erntewächter 1775 auf seinen Himmelsglobus und beschrieb ihn in der Schrift Explication des nouveaux globes céleste et terrestre. Der Name ist ein Wortspiel auf Charles Messier, den berühmten Kometenjäger; in Frankreich hieß das Sternbild oft einfach 'Messier'.
Lalande wählte diese Stelle, weil hier 1774 ein Komet (heute C/1774 P1) zuerst gesehen wurde. Messier hatte diesen Kometen ausgiebig beobachtet, aber nicht entdeckt: Das tat Jacques Laibats-Montaigne. Auf Lalandes Globus trägt die Figur einen Speer; bei Bode (1801) ist er ein Hirte mit Krummstab.
Rangifer, das Rentier
Pierre-Charles Le Monnier setzte das Rentier 1743 auf eine Karte in seinem Buch La Théorie des Comètes, die die Bahn des Kometen von 1742 nahe dem Nordpol zeigt. Er wählte ein Rentier zur Erinnerung an seine Reise nach Lappland (1736–37) mit der Expedition von Maupertuis, die die Länge eines Breitengrades messen sollte.
Zuerst hieß es 'le Reene', eine Verschreibung von 'le Renne'. Bode gab ihm 1801 den lateinischen Namen Rangifer; auf manchen Karten steht Tarandus, nach dem wissenschaftlichen Namen des Rentiers. Bode wies ihm 46 Sterne zu, die meisten liegen heute im Norden des Cepheus.
Wo lagen sie?
Custos Messium lag zwischen Cepheus und Giraffe, im heutigen Norden der Kassiopeia, neben Rangifer. Sein hellster Stern war 50 Cassiopeiae, 4. Größe. Rangifer lag nahe dem Nordpol, ebenfalls zwischen Cepheus und Giraffe, und sein Schwanz wies zum Himmelspol.
Warum verschwanden sie?
Thomas Young nannte den Erntewächter 1807 den Weinbergwächter (Vineyard Keeper), aber auch das machte das Sternbild nicht beliebter, und es geriet in Vergessenheit. Weder das Rentier noch der Erntewächter stehen in der Liste der 88, die die IAU 1922 festlegte.
Was bleibt
2025 gab die IAU BE Camelopardalis (HR 1155, etwa 4,4 mag) den Namen Custos, 49 Cassiopeiae (5,2 mag) den Namen Rangifer und 2 Ursae Minoris (4,2 mag) den Namen Tarandus.
In derselben Runde erhielt δ Persei den Namen Sarvvis, nach einem Sternbild der Samen in Nordskandinavien: ein riesiges Rentier aus Fuhrmann, Perseus, Kassiopeia und Cepheus, von Jägern verfolgt. Das ist ein anderes, viel größeres Rentier als das von Le Monnier.
Verwandt
Quellen
- Ian Ridpath, Star Tales, Kapitel 4 ('Obsolete constellations'), mit einer Seite je Sternbild; dort finden sich auch die Verweise auf die ursprünglichen Atlanten. ianridpath.com/startales/custosmessium.html, ianridpath.com/startales/rangifer.html
- IAU Working Group on Star Names, über die Übersichtsliste auf exopla.net (Stand 22. September 2026), für die Sternnamen. exopla.net