Argo Navis: das Schiff, das in drei Teile zerlegt wurde
Argo ist weniger verschwunden als zerlegt. Das Schiff Jasons und der Argonauten war eines der 48 Sternbilder des Ptolemäus, aber so groß und unhandlich, dass Lacaille es im 18. Jahrhundert in drei Sternbilder teilte: Carina, Puppis und Vela.

Das Schiff Argo Navis, auf Karte 32 von Urania's Mirror (Sidney Hall, London, 1825). Oben links die Katze Felis.
Tafel: Sidney Hall, Urania's Mirror (1825), Karte 32, Library of Congress (cph.3g10053), gemeinfrei; Ausschnitt von uns. Datei auf Wikimedia Commons. Digital restauriert von: Adam Cuerden.
Jasons Schiff
Argo ist das Schiff mit fünfzig Rudern, mit dem Jason und seine Argonauten nach Kolchis an der Ostküste des Schwarzen Meeres fuhren, um das Goldene Vlies zu holen. Das Vlies stammte von dem Widder, der heute als Sternbild Widder am Himmel steht. Jasons Onkel Pelias hatte den Thron von Iolkos an sich gerissen und versprach ihn zurückzugeben, wenn Jason das Vlies brächte; er hoffte, Jason käme unterwegs um.
Argus baute das Schiff unter der Aufsicht der Göttin Athene. In den Bug wurde ein sprechender Eichenbalken aus dem Orakel von Dodona eingesetzt. An Bord waren fünfzig große Helden, darunter die Zwillinge Kastor und Polydeukes, der Sänger Orpheus und Herakles. Nach der Rückkehr weihte Jason das Schiff dem Poseidon.
In drei Teilen
In seinem Katalog der südlichen Sterne (1756) schrieb Lacaille, er habe Argo in drei Teile geteilt: la Pouppe (Puppis, das Heck), le Corps (Carina, der Kiel oder Rumpf) und la Voilure (Vela, die Segel). Auf seiner Karte zeichnete er das Schiff noch als eine Figur. Zusammengesetzt wären die drei Teile fast 28 % größer als die Wasserschlange, das heute größte Sternbild.
Ein Echo der Einheit gibt es noch: Lacaille benutzte für die Sterne eine einzige Folge griechischer Buchstaben von Alpha bis Omega, als wäre Argo noch ganz. Deshalb gibt es kein Alpha oder Beta in Puppis oder Vela, der hellste Stern in Puppis ist Zeta und in Vela Gamma, und es gibt kein Zeta oder Gamma Carinae.
Karls Eiche (Robur Carolinum)
Ptolemäus beschreibt Argo als vor dem Mast „abgeschnitten“: Am Himmel steht nur der hintere Teil. Kartenmacher lösten das mit Nebel oder den Symplegaden. Edmond Halley legte 1678 ein neues Sternbild über den fehlenden Bug: Robur Carolinum, Karls Eiche, zu Ehren König Karls II. von England, der sich nach der Schlacht von Worcester (1651) in einer Eiche versteckt hatte.
Halley erdachte es nach seinem Aufenthalt auf St. Helena (1676) und veröffentlichte es 1679 in seinem Catalogus Stellarum Australium. In seiner Liste steht Eta Carinae, die erste Aufzeichnung dieses eruptiven Veränderlichen. Hevelius übernahm die Eiche 1690 und Bode 1801 (als Robur Caroli II), aber Lacaille strich sie: Er missbilligte, dass Halley einen Teil der Argo benutzt hatte.
Malus, der Mast
Pyxis, der Kompass, ist Lacailles Erfindung und gehört nicht zur Argo. 1844 schlug der englische Astronom John Herschel vor, Pyxis durch einen vierten Teil der Argo zu ersetzen, Malus (den Mast). Der Vorschlag wurde nicht übernommen; der Name Pyxis Nautica wurde zu Pyxis gekürzt.
Was bleibt
Das Schiff lebt in drei Sternbildern weiter. Canopus, der auf einem Steuerruder der Argo liegt, gehört heute zu Carina, und in Carina liegt auch Eta Carinae.
Verwandt
Quellen
- Ian Ridpath, Star Tales, Kapitel 4 ('Obsolete constellations'), mit einer Seite je Sternbild; dort finden sich auch die Verweise auf die ursprünglichen Atlanten. ianridpath.com/startales/argo.html, ianridpath.com/startales/robur.html
- IAU Working Group on Star Names, über die Übersichtsliste auf exopla.net (Stand 22. September 2026), für die Sternnamen. exopla.net