Steuerleute und Rechenmeister aus Nordholland
Dirck Rembrantsz. van Nierop, Schuster und Astronom (Nieuwe Niedorp)
Er arbeitete als Schuhmacher in Nieuwe Niedorp und schrieb Bücher über Astronomie, Mathematik und Navigation, die in Amsterdam gedruckt wurden. Diese Seite stellt zusammen, was vier Quellen über ihn sagen, Aussage für Aussage, und wo sie sich widersprechen.
Was die Quellen sagen
- Dirck Rembrantsz. van Nierop wurde 1610 in Nieuwe Niedorp geboren und starb dort am 4. November 1682. Er heiratete nicht. [3], [1]
- Er lebte mit seinem Bruder Jacob im Elternhaus an der Hoogsijde in Nieuwe Niedorp, wohl zugleich die Werkstatt des Schuhmachers. 1675 nennt ihn das Steuerregister „einen Schuhmacher und Astronomen“ („schoenmaker ende estronomist“). [3]
- Der Eintrag von 1868 sagt, er habe das Handwerk des Schuhmachers ausgeübt und sei nach Jöcher auch Mathematiker in Amsterdam gewesen. Er zitiert einen örtlichen Chronisten, Dirk Borger van Schoorl, der ihn „einen großen Mathematiker, gelehrten und berühmten Astronomen“ nennt. [1]
- Ab 1654 berechnete er astronomische Tabellen und Gezeitentafeln für Almanache. Er hatte Schüler, darunter den Sohn seiner Schwester, Pieter Cornelisz. Oomes (später Pieter Rembrantsz. van Nierop), und seinen angeheirateten Neffen Albert Jansz. (später Albert Jansz. van Dam). [3]
- Er verteidigte die Lehre des Kopernikus. Nach dem Eintrag von 1874 brachte er sich die Mathematik aus niederländischen und hochdeutschen Lehrbüchern selbst bei und fragte zuweilen C. Huygens und Descartes um Rat, mit denen er bekannt und befreundet war. [1], [2]
- Seine Nederduytsche Astronomie erschien 1653 in Harlingen; die zweite Auflage, verbessert und vermehrt und mit einem gedruckten Planetenzeiger, 1658 in Amsterdam. [2]
- Zu den Amsterdamer Ausgaben, die das Wörterbuch von 1868 nennt, gehören eine Astronomie mit Planetenzeiger, Astronomia of Hemelloop (1658 und 1659); zwei Schriften über den Stillstand der Sonne, Verdediging van de stilstand der Zon und Des Aerdrycks beweging in de Sonnestilstant (beide 1661); und Eenige oeffeningen (1669), das auch der Eintrag von 1874 nennt. Seine Mathematische Calculatie ist in Ausgaben zwischen 1650 und 1680 verzeichnet. [1], [2]
- Das Wörterbuch nennt außerdem ein Journaal van de reizen van Abel Tasman „von D. Rsz. van Nierop“, ohne Jahr und ohne Verleger. [1]
- In seinem Testament von 1678 vermachte er seine mathematischen Instrumente, Bücher und Papiere (offenbar auch seinen Briefwechsel) seinem Neffen Pieter Rembrantsz. van Nierop; der Rest ging an „alle seine nächsten Blutsfreunde“. [3]
- Pieter [Cornelis] Rembrantsz. [Ooms] van Nierop (Nieuwe Niedorp, um 1640 – ebenda, Herbst 1708), Landvermesser (zugelassen am 30. Juli 1668), war sein Schüler und Haupterbe. Nach 1682 führte er die Almanachberechnungen fort und gab mehrere Bücher seines Onkels erweitert heraus. Im September 1693, als er vorübergehend in Hoorn wohnte, erhielt er ein Patent auf die Berechnungen und mehrere „Van Nierop“-Bücher; es wurde im August 1708 erneuert. [3]
- Die Korpustabelle des Huygens-Instituts (Huygens ING) verzeichnet 80 Briefe von Van Nierop, alle auf Niederländisch; die Kontakte sind Marlise Rijks und Huib Zuidervaart. [4]
Der Grabstein
- Sein Grabstein lag in der Kirche von Nieuwe Niedorp; diese Kirche wurde 1875 abgerissen, und seit 1963 liegt die Platte unter freiem Himmel, wo sie nach Rijks noch zu sehen ist. Die Inschrift nennt ihn „MR IN DE WISKONST“ (Meister in der Mathematik) und sagt, er sei etwa 72 Jahre alt gewesen; das passt zum Geburtsjahr 1610 und schließt 1615 aus. [5], [7]
- Rijks bemerkt, dass es 1682 noch bemerkenswert war, ein heliozentrisches Weltbild in einer Kirche in Stein zu hauen: In vielen reformierten Kirchen wurde das System des Kopernikus lange nicht akzeptiert. [5]
DIRCK REMBRANTS.
OUT ONTRENT 72 JAAR.
MR IN DE WISKONST.
HIER RUST DAT SCHRANDER HOOFT
DIE D'ECLIPS RECHT VERLICHTEN,
D'ASTRONOMI WIST TE STICHTEN.
SYN GLORIE NOOYT VERDOOFT.
HY TOOND ONS DAT DE SON
STIL STOND, D'AARTKLOOT DRAAYDE
EN HOE DE DWAALDER SWAAYDE.
UYT WAARE WYSHEYTS BRON.
SCHOON MEENICH HIERMEE SPOT.
ZYN WYSER DER PLANEETEN
DOET ELCK D'WAARHEYD WEETEN
NU RUST SYN SIEL IN GOD.
DEN 4 NOVEMBER 1682.

Der Besuch bei Descartes
- Die Geschichte steht bei Baillet, La Vie de Monsieur Descartes (1691), in einer „Addition“ (S. 553–555), die er nach eigenen Worten von Hartsoeker über De la Montre erhielt: Sie ist also aus zweiter Hand, und Baillet kann sie keinem Jahr zuordnen. Er schreibt, Descartes’ Ruhm und die Enttäuschung des Schuhmachers über die niederländischen Mathematikbücher, die er gelesen hatte, hätten den Mann aus „Nierop“ bewogen, ihn aufzusuchen. [6]
- Die Diener von Descartes wiesen ihn zweimal ab: das erste Mal als „Païsan téméraire“ (dreister Bauer), das zweite Mal, zwei oder drei Monate später, meldeten sie ihn als „mendiant importun“ (lästigen Bettler), der über Philosophie und Astrologie sprechen wolle, um ein Almosen zu erhalten. Descartes schickte Geld und ließ ausrichten, er sei der Mühe eines Gesprächs enthoben; Dirck lehnte das Geld ab, sagte, seine Stunde sei noch nicht gekommen, hoffe aber, eine dritte Reise nütze ihm mehr. [6]
- Bei der dritten Reise empfing Descartes ihn, erkannte sein Können, erklärte ihm seine Methode und zählte ihn zu seinen Freunden. Dirck wohnte laut Baillet fünf oder sechs Meilen („lieues“) von Egmond entfernt und besuchte ihn danach oft. [6]
- Rijks schreibt, Descartes habe von 1643 bis 1649 in Egmond gelebt, Van Nierop habe ihn damals oft besucht und sei neben dem kopernikanischen auch Anhänger des cartesischen Weltbildes geworden. In seinen Briefen wird Descartes am häufigsten genannt: in vierzehn Briefen, gegenüber Brahe in neun, Kopernikus in sieben, Ptolemäus in drei und Kepler in zwei. Galilei kommt darin nicht vor. [5]
- Wir fanden keinen erhaltenen Brief zwischen Descartes und Van Nierop. Der Besuch beruht also auf Baillets Erzählung, nicht auf Briefen; das setzen wir auch dem „befreundet“ im Artikel von 1874 entgegen. [5], [6]
Wie er lernte
- In seiner Mathematische calculatie (1659) schreibt er, er habe 1632, mit 22 Jahren, die sphärische („klootse“) Trigonometrie gelernt. Wer sein Lehrer war, sagt er nicht. [5]
- Aus mehreren Büchern geht hervor, dass er von Tade Philips beeinflusst wurde, einem Landvermesser und Mühlenbauer aus dem nahen Schagen. Nach Van Nierop war Philips Autodidakt; seine Aufgaben stehen in der Mathematische calculatie (1659) und im Tweede deel der wiskonstige rekening (1680), seine Beobachtungen von 1622 in der Nederduytsche Astronomia (1658). [5]
- Das Elternhaus in Nieuwe Niedorp brannte 1639 nach einem Brand beim Nachbarn, dem Bäcker, nieder. Dirck verlor seinen gesamten Besitz, darunter ein großes vielflächiges Sonnenuhrwerk, das er selbst nach dem Vorbild eines Buches von Simon Stevin gebaut hatte. 1643 begann er erneut mit der geometrischen Konstruktion von Sonnenuhren; das Haus wurde an derselben Stelle wieder aufgebaut. [5], [3]
Was Zeitgenossen über ihn sagten
- 1701 ließ Romeyn de Hooghe in einem Pamphlet, „De Italiaansche waarzegger“ (Der italienische Wahrsager), eine Figur über ihn sagen: “Deze is Dirk Rembrantsz van Nierop, die onder het schoenen lappen zoo vast in de Hemels loop was” (gemeint ist: er steckte so tief im Lauf der Himmel, dass er sie in seiner Kammer hatte). [5]
- Nicolaas Witsen, später Bürgermeister von Amsterdam und Bewindhebber der VOC, schrieb ihm am 15. Januar 1679: „Ik heb al lange Jaaren verwonderaar geweest van uwe wetenschappen“ (ich bewundere Ihre Wissenschaften seit vielen Jahren). [5]
- Rijks nennt außerdem Christiaan Huygens, Frans van Schooten den Jüngeren und Johannes Hudde als Männer, die ihn achteten, trotz seiner einfachen Herkunft und obwohl er keine Fremdsprache beherrschte. Er unterschrieb seine Briefe meist mit „Dirck Rembrantsz“; „van Nierop“ fügte er erst später hinzu. [5]
- In seinem Testament von 1678 nennt er sich „mr. in de Astronomij, matematicus ende Stuermanschap“ (Meister der Astronomie, Mathematik und Navigation); der Schuhmacherberuf fehlt dort, obwohl er in früheren Steuerlisten Schuhmacher heißt. Er starb recht wohlhabend, mit Haus und Obstgarten, Büchern und Instrumenten, und vermachte 100 Gulden den Armen seiner Gemeinde, nach Rijks wahrscheinlich der mennonitischen. [5]
- Die Ausgabe von 2012 zählt 79 Briefe von oder an ihn (dazu vier von Albert Jansz van Dam); die CKCC-Tabelle zählt 80. [5], [4]
Die Seekarte von 1658
- 1658 entwarf Van Nierop eine Seekarte mit „wassende graden“ (zylindrische Projektion) der Küsten Europas. Nach einer notariellen Urkunde vom 17. Juli 1658 gab der Amsterdamer Verleger Gerrit van Goedesbergh die Zeichnung an seinen Kollegen Pieter Goos weiter, der die Karte herausgab. [5]
- 1688 schrieb Christiaan Huygens den Bewindhebbern der VOC in einem Bericht über Zeitmessung und Längenbestimmung auf See, der obere Teil seiner eigenen Karte, bis 27 Grad nördlicher Breite, sei einer Karte Europas mit wachsenden Graden von D. Rembrandts van Nierop entnommen. Auch die Länge zwischen Texel und Teneriffa (22 Grad) übernahm er; er verglich, was seine Uhren maßen, mit dem, was Steuerleute schätzten. [5]

Die Schule von Nieuwe Niedorp und Hoorn
- Dirck brachte zwei jüngeren Verwandten das Handwerk bei, und durch sie blieb die Berechnung für Almanache fast anderthalb Jahrhunderte in der Familie. Über Albert Jansz van Dam, der in Hoorn wohnte, führt die Linie zu den Van Dams. Zuidervaart schätzt, dass die Dynastie seit der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts die Tabellen für mehr als tausend verschiedene Almanache lieferte; Meyndert van Dam allein für mehr als 230. [3], [5]
- Die Staaten von Holland und Westfriesland erteilten Privilegien zur Veröffentlichung dieser Berechnungen: Pieter 1693 (erneuert 1708), Jan Albertsz van Dam 1709, danach 1724, 1743, 1756 und 1780; 1795 verschwand das System mit der Republik. Der letzte Almanach mit Meyndert van Dams Namen erschien 1802. [5], [3]
- Jan Albertsz van Dam ehrte die Linie seines Lehrers in einem Gedicht in De Nieuwe Hoornse Schatkamer, einem Handbuch für Seeleute: „aanhoor het onderwijs, van ’t zaad uyt Rembrants Stam | Wiens groot geslagt zig spreyd van Nierop to van Dam“ (hört die Lehre aus dem Samen von Rembrants Stamm, dessen großes Geschlecht sich von Nierop bis Van Dam ausbreitet). [5], [3]
- Dirck Rembrantsz van Nierop (1610–1682) Nieuwe Niedorp; Schuhmacher und Mathematiker; begann 1654 mit den Berechnungen für Almanache
- Pieter Cornelisz Oomes, später Pieter Rembrantsz van Nierop (ca. 1640–1708) Sohn von Dircks Schwester, Schüler und Erbe; Landvermesser (1668); Privileg 1693
- Albert Jansz van Dam (ca. 1650–1715) Schüler; heiratete 1671 Dircks Nichte Neel Pieters; Landvermesser (1680); Internatsschule an der Nieuwsteeg in Hoorn
- Jan Albertsz van Dam (ca. 1672–1746) Hoorn; Prüfer der VOC-Steuerleute, Kammer Hoorn (mindestens 1730–1746); unterrichtete 1697 und 1717 Zar Peter den Großen in Mathematik
- Dirk Jansz van Dam (1705–1780) Hoorn; Prüfer der VOC-Steuerleute, Kammer Hoorn, 1747–1780
- Meyndert van Dam (1730–ca. 1812) Hoorn; Prüfer 1781–1795; der Letzte der Linie; letzter Almanach 1802
Nach Zuidervaart (2012); der Stammbaum beruht auf notariellen und Steuerunterlagen, die wir nicht selbst gelesen haben. Dass Jan Albertsz den Zaren unterrichtete, steht bei Zuidervaart in einem Satz, ohne Einzelheiten.
Was wir nicht wissen
- Beruf, Geburt und Tod: Der Eintrag von 1874 sagt, „wie man sagt“, er sei Schiffer oder Prahmführer gewesen, 1610 oder 1615 geboren und 1662 in seinem Geburtsort gestorben. Der Eintrag von 1868 und die archivgestützte Genealogie sagen Schuhmacher, geboren 1610, gestorben am 4. November 1682. Wir folgen diesen beiden; die Angaben von 1874 werden von ihnen widerlegt.
- Wo er begraben ist: Der Eintrag von 1874 sagt „vermutlich“ in seinem Geburtsort; wir fanden keinen Beleg.
- Wann das Tasman-Journal erschien: Das Wörterbuch nennt kein Jahr.
- Mit wem er Briefe wechselte: Die Korpustabelle nennt nur die Zahl der Briefe.
- Ob Baillets Geschichte stimmt und wann sie sich zutrug: Er hatte sie aus zweiter Hand und nennt kein Jahr.
- Wie viel Zeit er noch auf Schuhe verwendete, nachdem er Almanachberechnungen und Navigationsunterricht begonnen hatte: Rijks nennt das unsicher.
- Wer ihm 1632 die sphärische Trigonometrie beibrachte: Er nennt keinen Lehrer.
- Wo Pieter Rembrantsz van Nierop begraben ist: nicht bestätigt.
Quellen
- A.J. van der Aa, Biographisch woordenboek der Nederlanden, Bd. 13 (1868): der Eintrag über Dirk Rembrantsz. van Nierop (DBNL) Der Eintrag nennt unter anderem Lauts (1842), Blaupot ten Cate, Schoorls Kroniek van Medemblik und Schagens Naamlijst der Doopsgezinde Schrijvers. Diese haben wir nicht gelesen.
- A.J. van der Aa, Biographisch woordenboek der Nederlanden, Bd. 16 (1874): der Eintrag „Rembrandz of Rembrantz van Nierop (Dirk)“ (DBNL) Er nennt Paquot, Jöcher, Poggendorff und andere, die wir nicht gelesen haben. Zu Beruf und Tod widerspricht er den anderen Quellen (siehe oben).
- H.J. Zuidervaart, „The Van Nierop & Van Dam Dynasty of Mathematical Practitioners“, in M. Rijks (Hg.), The Correspondence of Dirck Rembrantsz van Nierop (1610–1682), Huygens ING, Den Haag 2012, S. 387–399 (PDF) Eine Genealogie auf Grundlage von Notariats- und Steuerakten im Regionalarchiv Alkmaar. Wir lasen die Genealogie, nicht die Akten, auf die sie verweist.
- Huygens ING, CKCC-Korpustabelle: Dirck Rembrantsz van Nierop, 80 Briefe Wir lasen die Tabelle; sie verweist auf Seiten des Digital Web Centre zu den Ausgaben, aber nicht auf die Briefe selbst.
- M. Rijks (Hg.), The Correspondence of Dirck Rembrantsz van Nierop (1610–1682), Huygens ING, Den Haag 2012: „Introduction to this edition“ (Reihe Tools and Sources, pdf) Wir lasen die Einleitung (S. 1–35) als pdf, nicht die Briefe selbst; die Adresse ist die der Reihenseite.
- Adrien Baillet, La Vie de Monsieur Des-Cartes, Teil 2 (Paris 1691), „Addition“, S. 553–555 Wir lasen den Text der Addition in einem Scan mit schlechter Texterkennung; die Geschichte ist aus zweiter Hand.
- Foto des Grabsteins, Wumvanbarse, 2022, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0) Lizenz auf der Dateiseite gelesen.
- Wassende graade paskaart (1658), Universität Amsterdam, über Wikimedia Commons Gemeinfrei laut Dateiseite.
Bei jeder Aussage steht die Nummer ihrer Quelle. Gelesen am 25. Oktober 2026. Was wir in keiner Quelle bestätigen konnten, lassen wir weg.