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Der Emu am Himmel

Am Südhimmel liegt ein Emu. Er besteht nicht aus Sternen, sondern aus Schatten: Sein Kopf ist der Kohlensack, ein dunkler Fleck neben dem Kreuz des Südens, und sein Hals und Körper folgen den dunklen Bahnen der Milchstraße am Skorpion vorbei.

Erzählungen von einem Emu am Himmel wurden in vielen Teilen Australiens aufgezeichnet. Diese Seite folgt vor allem dem, was die Kamilaroi und die Euahlayi im Norden von Neusüdwales darüber wissen, wie Forschende es 2014 in Gesprächen mit Teilnehmenden der Kamilaroi, Euahlayi, Ngemba und Murrawarri festhielten (Fuller u. a.).

So liegt der Emu in der Milchstraße

Die Milchstraße vom Kreuz des Südens bis zum Schützen, mit dunklen Staubwolken vor dem Licht der Sterne.
Kopf (Kohlensack)HalsKörperSchwanz

Wische über das Foto, um die Milchstraße zu verschieben.

Kopf, Hals, Körper und Schwanz des Emus, als gepunktete Linie um die dunklen Wolken. Es ist unsere Skizze; die Form folgt der Beschreibung in der Quelle (Fuller u. a. 2014).

Der Kohlensack ist kein Loch im Himmel, sondern eine Staubwolke in etwa 600 Lichtjahren Entfernung (die Messungen reichen von rund 500 bis 650 Lichtjahren), die das Licht der dahinterliegenden Sterne abschirmt (Zucker u. a. 2020).

Das Jahr des Emus

Der Emu verändert sich im Lauf des Jahres, und die Veränderung verläuft parallel zu dem, was Emus auf der Erde tun. Das ist das Besondere: Der Himmel ist ein Kalender. Die Beschreibung unten gilt für die Südhalbkugel, wo April und Mai Herbst sind, und das Bild zeigt etwa neun Uhr abends im Untersuchungsgebiet im Norden von Neusüdwales.

März

Am Himmel. Kopf und Hals sind schon zu sehen.

Auf der Erde. Der Emu ist auf dem Weg zu seiner vollen Länge.

April und Mai (Herbst)

Am Himmel. Nach Sonnenuntergang steht der Emu in voller Länge am Himmel, von Süden bis Südosten. Er hat Beine und scheint zu rennen.

Auf der Erde. In der Paarungszeit jagen die Weibchen hinter den Männchen her, und die Eier werden gelegt. Der Emu am Himmel erinnert daran, dass es Eier zu holen gibt.

Juni und Juli (Winter)

Am Himmel. Die Beine verschwinden. Der Emu ist jetzt ein Männchen, das auf seinem Nest sitzt.

Auf der Erde. Bei Emus brütet das Männchen die Eier aus. Die Eier sind noch immer eine Nahrungsquelle.

August und September (später Winter)

Am Himmel. Der Hals verblasst, und nur der Körper bleibt übrig, wie ein Ei.

Auf der Erde. Das ist das Zeichen, dass die Küken schlüpfen und die Eier nicht mehr zu holen sind. Das Männchen kümmert sich um die Küken.

Himmel und Erde gehören zusammen

In den Erzählungen der Kamilaroi und der Euahlayi gehören Himmel und Erde zusammen: Was man oben sieht, ist auch unten, und der Emu am Himmel hängt eng mit dem Emu auf der Erde zusammen, einer wichtigen Nahrungsquelle. Der Emu am Himmel hilft bei der Verwaltung dieser Quelle: Er zeigt, wann es Eier gibt und wann nicht.

Das Wort für den Emu am Himmel ist Gawarrgay oder Gawarghoo; der Vogel auf der Erde heißt dhinawan (nach Ash u. a. 2003, zitiert von Fuller u. a.).

Andere Völker, andere Geschichten

Der Emu am Himmel gehört nicht einem einzigen Volk. Fuller u. a. sammelten Berichte aus ganz Australien, oft mit wenigen Einzelheiten. Einige Beispiele aus ihrer Übersicht:

  • Die Boorong im Westen Victorias erzählten in den 1850er Jahren von einem Emu, der im dunklen Fleck unter dem Kreuz des Südens wohnte, dem Kohlensack (Stanbridge 1857).
  • 1873 hielt ein Forscher fest, dass ein Euahlayi-Mann auf einen Emu im dunklen Raum unter dem Baum zeigte, womit der Kohlensack gemeint war, mit dem Kreuz des Südens als Baum (Ridley 1873).
  • In einer Geschichte, die um 1904 bei den Ngalea in der Great Victoria Desert aufgezeichnet wurde, steigt ein Emu in den Himmel auf und wird zum dunklen Fleck in der Milchstraße (Bates).
  • Die Wardaman im Northern Territory verbinden einen kosmischen Emu mit Songlines und Felskunst (Cairns & Harney 2003).
  • Bei Sydney spiegelt eine Felsgravur im Gebiet von Ku-ring-gai in Form und Richtung den Emu im April wider, wenn Emus Eier legen (Norris & Norris 2009).

Was in jeder Geschichte genau stimmt, können nur die Völker selbst sagen.

Ehrlich über das, was du hier liest

Das sind lebendige Überlieferungen, und die Geschichten unterscheiden sich von Volk zu Volk und von Region zu Region. Was hier steht, stammt aus Veröffentlichungen, die gemeinsam mit Wissensträgern entstanden sind; die geheimen Teile der Geschichten sind ausgelassen, auch in der Quelle selbst. Ein Euahlayi Law Man gehört zu den Autoren.

Vom Untersuchungsgebiet aus ist der Kopf des Emus das ganze Jahr zu sehen, weil das Kreuz des Südens dort nie untergeht. Von Europa aus ist der Kopf nie zu sehen; nur der Körper beim Skorpion steht im Sommer tief im Süden.

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Quellen

  • Fuller, R. S., Anderson, M. G., Norris, R. P. & Trudgett, M. (2014). The Emu Sky Knowledge of the Kamilaroi and Euahlayi Peoples. Journal of Astronomical History and Heritage 17(2), 171-179. arxiv.org/abs/1403.0304
  • Norris, R. P. & Norris, B. (2009). Emu Dreaming: An Introduction to Australian Aboriginal Astronomy (zitiert von Fuller u. a.).
  • Zucker, C. u. a. (2020). A compendium of distances to molecular clouds in the Star Formation Handbook. Astronomy & Astrophysics 633, A51. www.aanda.org/articles/aa/full_html/2020/01/aa36145-19/aa36145-19.html
  • Foto: ESO/S. Brunier, Ausschnitt und bearbeitet, Lizenz CC BY 4.0. eso.org/public/images/eso0932a