Felis, die Katze: ein verschwundenes Sternbild
Zwischen der Wasserschlange und der Luftpumpe (Antlia) liegen ein paar schwache Sterne, wo einst eine Katze saß. Felis wurde 1799 vom französischen Astronomen Joseph Jérôme de Lalande (1732–1807) erfunden und verschwand wieder. Ein Stern trägt noch seinen Namen.
Die Katze auf einer alten Karte

Felis unter der Wasserschlange auf Karte 32 von Urania's Mirror (Sidney Hall, London, 1825). Die Karte ist von Hand koloriert, die Sterne sind durchstochen.
Tafel: Sidney Hall, Urania's Mirror (1825), Karte 32, Library of Congress (cph.3g10053), gemeinfrei; Ausschnitt von uns. Datei auf Wikimedia Commons: Wikimedia Commons. Digital restauriert von: Adam Cuerden.
Bodes ursprüngliche Zeichnung (Uranographia, 1801, Karte XIX) zeigen wir hier nicht: Wir haben noch nicht geklärt, unter welcher Lizenz die Scans frei verwendet werden dürfen.
Warum eine Katze?
Lalande hatte Johann Bode für dessen Atlas und Katalog viele Sternpositionen geliefert, auch aus diesem Himmelsteil, und fand, dass ihm das das Recht gab, einige neue Sternbilder vorzuschlagen. In seiner Histoire abrégée de l'astronomie (1803) schrieb er, am Himmel stünden schon dreiunddreißig Tiere und er füge ein vierunddreißigstes hinzu: die Katze. Ein neues Gedicht über Katzen von Claude-Antoine Guyot-Desherbiers habe ihn inspiriert.
In vielen Büchern steht ein Zitat, das das Gegenteil zu sagen scheint; es geht auf eine fehlerhafte Wiedergabe eines Briefes von Lalande zurück. Der Brief erschien in den Allgemeinen Geographischen Ephemeriden, Band 3 (1799), S. 623. Nach Ridpath, der den deutschen Text geprüft hat, schreibt Lalande, er liebe diese Tiere sehr, er lasse die Katze in die Karten stechen, und der Sternenhimmel habe ihm im Leben genug Sorgen bereitet, sodass er nun seinen Spaß damit haben dürfe.
Wo lag die Katze?
Felis lag zwischen der Wasserschlange im Norden und Antlia im Süden, unter dem Körper der Schlange, mit Pyxis unten rechts. Die hellsten Sterne waren fünfter Größe und gehören heute zur Wasserschlange. Lalande zeichnete die Katze nie selbst auf einen Globus oder eine Karte: Er schlug sie Bode vor, der sie 1801 erstmals auf Karte XIX seiner Uranographia zeigte.
Warum verschwand sie?
Andere Astronomen folgten dem Scherz nicht. Die Sterne waren zu schwach für eine eigene Figur, und als die IAU 1922 die Liste der 88 festlegte, stand die Katze nicht darauf.
Was bleibt von der Katze?
Ein Stern fünfter Größe im Körper der Katze, von Bode mit dem Buchstaben c bezeichnet und später als HR 3923 katalogisiert, erhielt 2018 von der IAU den Namen Felis. So wurde Lalandes Wunsch, die Katze zu verewigen, doch noch offiziell erfüllt.
Verwandt
- der Mauerquadrant: Lalande erdachte auch den Mauerquadranten.
- der Erntewächter: Lalande erdachte auch den Erntewächter, zu Ehren Messiers.
- der Ballon: Lalande schlug auch den Ballon vor.
Antlia und Pyxis, die neben der Katze lagen, sind geblieben: Lacaille erfand sie im achtzehnten Jahrhundert. Siehe auch Wasserschlange.
Quellen
- Ian Ridpath, Star Tales, Kapitel 4 ('Obsolete constellations'), mit einer Seite je Sternbild; dort finden sich auch die Verweise auf die ursprünglichen Atlanten. ianridpath.com/startales/felis.html
- IAU Working Group on Star Names, über die Übersichtsliste auf exopla.net (Stand 22. September 2026), für die Sternnamen. exopla.net